Nimm‘ den Bus in die Zukunft

Wie groß die Veränderungen in unserer Wirtschaft und in unserem Alltag sind, wird deutlich wenn wir eine „längere“ Zeitspanne betrachten.

Mobile Roboter sind in drei Jahren von „fallen nicht um solange sie gehalten werden“, zu „laufen selbständig und fahren selber Auto (!)“ zu „Räumen in der Küche Gläser in die Spülmaschine“ vorangeschritten.

In spätestens 15 Jahren wird es LKW-, Bus- und Taxifahrer nicht mehr als Beruf geben. Gleiches gilt für die Masse der Lagerarbeiter.

Aber auch viele Bürojobs (inklusive Juristen) werden verschwinden.

Wir müssen jetzt unsere Gesellschaft und die Strukturen unseres Gemeinwesens an die neue Zeit anpassen.

Dann kann der technische Fortschritt eine riesige Chance für die Menschen werden, statt sie überflüssig zu machen.

Drei konkrete Änderungen können mithelfen, uns in Zukunft freier, selbstbestimmter und erfolgreicher zu machen:

Freiheit bei der Arbeit
http://www.pyak.de/freiheit-bei-der-arbeit-in-zeit-und-raum/

Chancen in ganz Europa
http://www.immigrantspirit.com/lostgeneration

und ein gemeinsames „Betriebssystem“: Die Vereinigten Staaten von Europa als föderale Bundesrepublik.
http://www.pyak.de/zeit-fuer-ein-europa-der-buerger/

Freiheit und Bindungen

Was mich zu Ralf Dahrendorf hingezogen hat: Er hat richtig erkannt, dass nur die Verbindung von Chancen und Beziehungen zum Ziel der Wünsche führt.

Zeit für ein Europa der Bürger


Kooperation und nicht Abschottung hat uns Europäern Wohlstand, Freiheit und Frieden beschert.

Jetzt erlebt Europa eine Krise nach der anderen. Ursache ist nicht die sich stark verändernde Welt – sondern die Institutionen die sich diesem Wandel nicht angepasst haben. Europa als Verbund nationaler Staaten ist gescheitert. Mit einem Faxgerät kann man keine eMails versenden.

 

„Weiter so“ ist gescheitert.

Doch unsere nationalen Regierungen verharren im „weiter so“. Sie beharren auf Methoden die ins Desaster führen:

Im dunklen Hinterzimmer möchten die „Mächtigen“ Vereinbarungen erzielen. Ihr nationales Vetorecht hüten sie eifersüchtig, damit selbst der kleinste Regierungschef jede Entscheidung blockieren kann, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Das führt zur liebsten Methode der 28 europäischen Staatschefs: „Vertagen“.

Morgen werden die ungelösten Probleme zehn Mal so groß und gefährlich sein – aber morgen ist noch weit entfernt…

 

„Gestern“ führt in die Katastrophe.

Das nutzen die Feinde der offenen Gesellschaft und bieten ihre Alternative an: Zurück in den Feudalstaat, zurück in die engherzige Abschottung von unseren Nachbarn.

Dies ist ein Rezept für eine Katastrophe. Aus Abschottung folgt wirtschaftliches Versagen, denn in der vernetzten Welt kann niemand „alleine“ überleben.

Aus dem engherzigen Egoismus folgt Streit – und schließlich neue Konflikte. Wie leicht auch heute Nationalismus zu Kriegen führt, haben wir gesehen: In Jugoslawien, Georgien und der Ukraine.

 

Die zwei Grundübel der Europäischen Union.

Dies sind die zwei Grundübel der Europäischen Union in der heutigen Form:

  1. Sie kümmert sich um zu viele kleine Aufgaben, die vor Ort viel besser gelöst werden können.
  2. Sie versagt bei den großen Aufgaben, weil sie keinerlei Entscheidungsmacht hat. Die wirklichen Entscheidungen treffen noch immer die 28 nationalen Regierungschefs. Selbst wenn nur eine einzige nationale Regierung blockiert, werden Entscheidungen -oft für viel Geld – in die Zukunft „vertagt“. Jede „vertagte“ Krise kommt wenig später mit noch größeren Problemen zurück.

 

Den Status Quo klar benennen.

Wir Liberalen bieten eine dritte Alternative zum „weiter so“ der nationalen Regierungen und zum katastrophalen „Rückwärts in die schlechte alte Zeit“ der Nationalisten.

Wir erkennen:

Die großen Probleme der vernetzten globalen Gemeinschaft können wir nur gemeinsam lösen. In der Welt müssen wir Europäer mit einer gemeinsamen Stimme sprechen: Nur so können wir etwas erreichen.

Gleichzeitig müssen wir uns in Europa auf die Kernaufgaben konzentrieren. Wer sich um alles kümmert, erreicht am Ende gar nichts. Die EU muss aufhören, sich um „alles und nichts“ zu kümmern.

 

 

Die Lösung.

Die Europäische Union muss sich auf jene Bereiche konzentrieren, wo sie den größten Nutzen für alle Bürger schaffen kann:

– Außenpolitik
– Verteidigung
– Fiskalpolitik
– Euro

– Die „vier Freiheiten“: Freier Personenverkehr, freier Dienstleistungsverkehr, freier Kapitalverkehr und freier Warenverkehr.

 

 

Damit die Europäische Union diese Aufgaben erfüllen kann, brauchen wir eine echte europäische Regierung.

Diese Regierung handelt selbständig im Auftrag aller europäischen Bürger. Nur dann kann Europa wirklich mit einer Stimme sprechen. Die nationalen Regierungen werden in einer eigenen Kammer vertreten und dort in die Entscheidungsfindung einbezogen, wo sie mit der Umsetzung europäischer Gesetze betraut werden.

Eine so große Machtfülle muss unbedingt demokratisch legitimiert werden.

Die Regierung muss darum vom Europäischen Parlament vorgeschlagen, gewählt und entlassen werden.

Das europäische Parlament muss ein vollwertiges Parlament werden: Sämtliche Gesetze auf europäischer Ebene werden künftig vom Parlament vorgeschlagen, beraten und verabschiedet.

Die Wahl des Europäischen Parlaments ist so zu organisieren, dass sowohl sämtliche europäischen Regionen als auch die verschiedenen politischen Weltanschauungen repräsentiert sind.

Das deutsche Bundestagswahlrecht mit seiner Kombination von Wahlkreisen und Verhältniswahlrecht bietet dafür eine bewährte Blaupause.

 

In der Summe entsteht so eine echte „Bundesrepublik Europa“. Mit eigener Handlungsfähigkeit bei den Fragen die alle Europäer betreffen, einem Einmischungsverbot bei allen Fragen die nicht ausschließlich gemeinschaftlich geregelt werden können und einer echten Regierung die von einem gewählten Parlament legitimiert ist.

 

Eine solche Bundesrepublik Europa kann nur durch den erklärten Willen der Bürger geschaffen werden.

Ich fordere darum Referenden über die Zukunft der Europäischen Union in allen Mitgliedsländern.

 

Die Bürger jedes einzelnen EU-Landes müssen frei entscheiden:

  1. Ob sie der föderalen Bundesrepublik Europa mit einer gemeinsamen europäischen Regierung, einem gemeinsamen Außen-, Verteidigungs-, Fiskalpolitik und dem Euro angehören.

oder

  1. Ob sie stattdessen einer „assoziierten“ Freihandelszone beitreten, die zwar die vier Freiheiten gewährt, aber kein Mitspracherecht in der föderalen Bundesrepublik Europa gewährt. Auch den Euro können „assoziierte“ Staaten NICHT erhalten. (Da dieser eine gemeinsame Fiskalpolitik voraussetzt.)

Die Vorbereitungen eines solchen Referendums müssen jetzt beginnen und sollten spätestens zur Europawahl 2024 erfolgen.

 

Zeit zu Handeln.

Schon das Grundsatzpapier der deutschen  fordert:

„Wir Freien Demokraten wollen dass Europa…zu einer politischen Union mit festen föderalen Grundsätzen, demokratischen Strukturen und einer klaren subsidiären Ordnung wird. Am Ende dieser Entwicklung soll ein durch Volksabstimmungen legitimierter europäischer Bundesstaat stehen.“

Der Zeitpunkt zu handeln ist jetzt.

Zeigen wir den nationalen Regierungen, dass wir ein „vertagen“ von Problemen nicht mehr akzeptieren. Setzen wir die Verantwortlichen in den Regierungen unter Druck – damit wir frei in einem Referendum entscheiden können. Bauen wir ein „Europa der Bürger.“

PS: Ich hoffe wir bleiben in Kontakt. Bitte regstriere Dich unten für meinen kostenlosen Newsletter.

 

Update

Viel ist geschehen, seit ich diesen Artikel geschrieben habe. Ich bin jetzt Spitzenkandidat der Neuen Liberalen – Die Sozialliberalen zur Europawahl 2019. Bei der Wahl zum EU Parlament gibt es keine Sperrklausel. Schon 300.000 Stimmen bedeuten ein sicheres Mandat. Selbst 180.000 Stimmen (Deutschlandweit) können uns einen Abgeordneten bescheren.

Unsere erste Aufgabe: 4.000 Unterschriften für den Bundeswahlleiter sammeln.

Bitte unterstütze mich mit Deiner Unterschrift!

 

Freiheit bei der Arbeit in Zeit und Raum

Mehr Freiheit für Arbeitnehmer


Ich möchte die tatsächlich erlebte Freiheit von Arbeitnehmern vergrößern. Darum werbe ich aktuell bei den Freien Demokraten für ein Recht auf Arbeit im Home Office. (Ich bin Mitglied im Bundesfachausschuss Arbeit und Soziales der FDP).

Hier mein Vorschlag und meine Argumente. Was denkst Du?

Antrag

Rechtsanspruch auf Arbeit im Home Office

Die Freien Demokraten wollen den tatsächlichen Freiraum der Menschen immer weiter ausweiten. Die Digitalisierung bietet gerade am Arbeitsmarkt große Möglichkeiten, die täglich erlebte Freiheit zu vergrößern.

Darum wollen die Freien Demokraten nach dem Recht auf Teilzeitarbeit, nun auch ein Recht auf Arbeit im Home Office einführen. Dadurch erlangen Arbeitnehmer Selbstbestimmung in Zeit und Raum.

Die Niederlande haben ein entsprechendes Recht bereits eingeführt. Der Nachweis, dass Arbeit im Home Office nicht möglich ist, unterliegt dabei – wie beim deutschen Teilzeitarbeitsgesetz – dem Arbeitgeber. Die Freien Demokraten wollen eine entsprechende Regelung für Deutschland einführen.

68 Prozent der deutschen Arbeitnehmer würden gerne im Home Office arbeiten, hat Randstad ermittelt. Doch nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer erhalten diese Möglichkeit. Dabei stehen dem Home Office in vielen Fällen keine objektiven Hindernisse im Weg.

Ein Recht auf Home Office nützt Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen. Denn es ermutigt den Blick auf tatsächlich erzielte Ergebnisse, statt auf rein formale Kriterien wie Anwesenheit. Der Blick richtet sich vom Prozess auf das Ergebnis, vom Weg auf das Ziel.

Viele Arbeitgeber haben die Erfahrung gemacht, dass z.B. Mütter in Teilzeitarbeit bei reduzierter Stundenzahl die gleiche Leistung erbringen, wie zuvor in Vollzeitarbeit. Wenn „Anwesenheit“ nicht mehr mit Leistung verwechselt wird, eröffnet das Chancen für „ungewöhnliche“ Kandidaten. Frauen in der Babyphase, Mütter, sehr junge Mitarbeiter ebenso wie Arbeitnehmer über 45 Jahre sowie internationale Fachkräfte erleben täglich: Sie werden bei der Personalauswahl aussortiert – nicht Aufgrund von Leistungskriterien, sondern weil sie nicht einer eingebildeten „DIN Norm“ entsprechen.

Wenn Arbeitnehmer danach bewertet werden, ob sie die gewünschten Ergebnisse erzielen können, dann erhalten diese vermeintlich „ungewöhnlichen“ Arbeitnehmer die Chance aufzuzeigen, wie sie die geforderten Resultate erreichen würden. Der Arbeitsmarkt wird durchlässiger.

Der regionale Fachkräftemangel wird durch ein Recht auf Home Office deutlich entschärft. Arbeitnehmer werden eine neue Stelle leichter antreten, wenn diese nicht mit einem kostspieligen Umzug und der Aufgabe gewachsener sozialer Bindungen verbunden ist. Die Perspektive nach einer sechsmonatigen Probezeit dauerhaft vom Home Office arbeiten zu dürfen, macht ein „Ja“ zum Stellenwechsel leichter. Dies ist eine große Chance für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den strukturschwachen Regionen Deutschlands und ganz Europas. Gleichzeitig ist es ein riesiger Gewinn für die Lebensqualität der Arbeitnehmer und ihrer Familien.

Dass auch die Umwelt profitiert, wenn Arbeitnehmer vom Home Office arbeiten, statt im Stau zu stehen, sei nur am Rande erwähnt.

Unternehmen die einen Zwang (zum festgelegten Arbeitsort) aufgeben, befreien sich gleichzeitig von der Verpflichtung, jedes Detail der Arbeitswelt kontrollieren zu müssen. Mit der Freiheit, den Arbeitsort zu bestimmen, kommt gleichzeitig die Verantwortung für den eigenen Arbeitsplatz. Wir Freien Demokraten, trauen Arbeitnehmern zu, ihr Home Office nach eigenen Vorstellungen passend einzurichten. Eine Ausweitung der Arbeitsstättenverordnung auf den Heimarbeitsplatz lehnen wir ab.

In der Sache begründete Einschränkungen des Rechts auf Arbeit im Home Office werden identisch mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) umgesetzt. Gleiches gilt für den Schutz vor Diskriminierung von Arbeitnehmern die im Home Office arbeiten und die Regeln zur praktischen Umsetzung.

Kurz zusammengefasst

1. Ein Recht auf Arbeit im Home Office haben nur Mitarbeiter die seit mehr als sechs Monaten im Betrieb beschäftigt sind.

2. Unternehmen mit 15 Mitarbeitern oder weniger sind vom Gesetz ausgenommen.

3. Eine Diskriminierung von Mitarbeitern die ganz oder teilweise im Home Office arbeiten, ist nicht erlaubt.

4. Arbeitgeber dürfen das Recht auf Arbeit im Home Office verweigern, wenn sie nachweisen können, dass dies aus betrieblichen Gründen nicht möglich ist. Die Nachweispflicht wird identisch zum Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt.

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PS: Fürchtest Du dass geringe Kontrolle zu geringer Motivation führt? Dann empfehle ich Dir diese Szene aus Office Space. Kleiner „Reality Check“. 😉

Jobs für Europas verlorene Generation

Chris Pyak und Alexander Graf Lambsdorff im Gespräch zu Europa

Es klafft ein Abgrund zwischen dem Leben dass Du genießen könntest und der Wirklichkeit in Europa. Besonders wenn es um Deine Karriere geht.
So könnte Dein Leben nach der Universität aussehen: Es gibt wenig Arbeitsplätze, aber Du machst Dir keine Sorgen. In Deinem Erasmus Semester hast Du ein paar Freunde gemacht und die verschaffen Dir ein Praktikum in Stockholm. Das Praktikum führt zu Deinem ersten Job in Berlin. Du arbeitest hart am Tag und feierst härter in der Nacht.

Nach drei Jahren ziehst Du nach Paris. Deine erste Senior Position. Du triffst jemanden und verliebst Dich. Gemeinsam mit Deinem Schatz, nutzt Du eine Chance und ziehst nach Amsterdam. In den Niederlanden garantiert der Staat Dein Recht im Home Office zu arbeiten. Das nimmst Du gerne wahr. Dein erstes Kind wird geboren.

Es wäre schön, wenn die Großeltern in der Nähe wären. Also entscheidest Du Dich Dein Kind in der Heimat aufzuziehen. Deinem niederländischer Chef ist es egal, ob Dein Home Office am anderen Ende der Stadt oder zweitausend Kilometer entfernt ist.

Du wirst Freiberufler und arbeitest für Kunden in ganz Europa. Du arbeitest weniger, verdienst mehr und Du bist unabhängig. Du hast ein gutes Leben. Deine Kinder werden erwachsen und Du spürst: Es ist Zeit für den Ruhestand. Also packst Du mit Deinem Schatz eure sieben Sachen und verbringst den Lebensabend an einem sonnigen Strand in Portugal.

Hört sich nach einem guten Leben an, nicht wahr?

Die Wirklichkeit sieht so aus: Artikel 45 der Europäischen Verträge gibt Dir das Recht überall in Europa zu arbeiten. Aber das ist reine Theorie.

Du hast einen Abschluss von der Universität Madrid. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien beträgt 50 Prozent. Also ziehst Du nach Deutschland, um Arbeit zu finden. Du bewirbst Dich bei hundert Firmen und hörst jedes Mal das Gleiche: „Es tut uns leid – aber Sie sprechen kein Deutsch“. Die wirklichen Aufgaben der Stelle würdest Du leicht bewältigen, aber niemand gibt Dir eine Chance. Ich treffe Dich am Flughafen: Du lässt Deine Schultern hängen, Dein Kopf ist gesenkt: Du bist besiegt, zerschlagen. Verbittert und hoffnungslos kehrst Du nach Hause zurück.

Die Hälfte aller jungen Spanier und Griechen hat keine Arbeit. Ein Viertel der italienischen und französischen Jugend ist ohne Job. Die am besten ausgebildete Generation aller Zeiten, hat keine Gelegenheit ihr Wissen in Fähigkeiten umzuwandeln.

Zur gleichen Zeit braucht Nordeuropa dringend Fachkräfte. Allein in Deutschland brauchen wir in den nächsten 15 Jahren rund sechs Millionen Arbeitskräfte – nur um die Generation der Baby Boomer zu ersetzen. Schon jetzt sind 540.000 Stellen unbesetzt. Gleichzeitig ziehen jedes Jahr 700.000 EU Bürger nach Deutschland.

Warum finden Jobs und Fachkraft nicht zu einander?

Im letzten Jahr habe ich mit 500 Personalern gesprochen. Alle wollen im Ausland rekrutieren und anscheinend rauchen sie alle Gras: Sie können sich nicht von der Illusion trennen, dass sie im Ausland Fachkräfte finden die bereits Deutsch sprechen. Nur 3.5% aller Stellenangebote sind auf Englisch verfügbar. Das sind 19.000 Jobs für 700.000 EU Bürger.

Stellen Sie nur rothaarige Programmierer ein?

Was wäre, wenn Sie nur Software Developer, Business Analysten oder Marketing Experten einstellen würden, die rote Haare haben? Mit der fachlichen Qualifikation hat die Haarfarbe nichts zu tun, aber die Erfolgsaussichten wären genauso hoch wie die Chance, dass sie deutschsprachige Programmierer, Analysten oder Marketing Experten im Ausland finden: Etwa 1.5 Prozent.

Die Lösung ist offensichtlich: Wenn es Millionen Jobs in Nordeuropa gibt und Millionen gut ausgebildete Arbeitslose in Südeuropa: Bringt sie zusammen!

Erlaubt jungen Fachkräften auf Englisch in der Firma anzufangen und die lokale Sprache „on the job“ zu lernen. Nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa. Gebt Europäern die Freiheit für die besten Firmen zu arbeiten und von den besten Leuten zu lernen. Nicht nur von denen, die zufällig die gleiche Sprache sprechen, sondern von den begabtesten Menschen in ganz Europa.

Wir könnten zwei Millionen Arbeitsplätze in Europa schaffen, wenn die Arbeitsmobilität bei uns ebenso hoch wäre wie in den USA, sagt Martina Dlabajova (ALDE party) in ihrem Bericht für das Europäische Parlament.

Ich arbeite als internationaler Recruiter. Das größte Hindernis bei der Stellenbesetzung ist nicht Talente zu finden. (Jedenfalls nicht, wenn man weltweit sucht). Das größte Hindernis ist: Die besten Kandidaten sind oft nicht bereit umzuziehen. Das nennt man „Mismatch“ und gilt ebenso für Regionen innerhalb Deutschlands wie weltweit.

Ich bin der festen Überzeugung: Wir können nicht nur Krisen bewältigen. Wir können den Menschen ein besseres, glücklicheres Leben ermöglichen. Dazu müssen wir nichts abgeben. Wir müssen nur die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Menschen davon abhalten sich selbst eine glückliche Zukunft aufzubauen.

Wir brauchen einen Arbeitsmarkt der dem einzelnen Menschen die größten Möglichkeiten eröffnet. Dafür muss der europäische Arbeitsmarkt wie unser Smartphone funktionieren:

Millionen individueller „apps“: Das sind unsere Fähigkeiten und unsere Erfahrung. Trotzdem können all diese apps miteinander kooperieren. Denn sie alle nutzen ein gemeinsames „Operating System“. Beim Handy ist das Android, in der wirklichen Welt: Englisch.

Zwei Drittel aller Europäer zwischen 18 und 42 Jahren sprechen Englisch. In der Geschäftswelt ist Englisch längst „lingua france“ – vor allem für eine Exportnation wie Deutschland.

Stell‘ Dir vor Du könntest in ganz Europa arbeiten. Nicht theoretisch, sondern wirklich. Stell‘ Dir vor Du könntest bei jeder Firma auf Englisch anfangen und die lokale Sprache „on the job“ lernen.

Ich wünsche Dir eine großartige Karriere. Ich wünsche Dir die Chance auf „jeden Job, überall“.

Nachwort

Der Economist weißt darauf hin: Nur mit hoher Arbeitsmobilität kann der Euro funktionieren. Dieser Artikel erschien leicht abgewandelt in meiner Kolumne für „The European„.

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Die Ratte und der Geist


Die Schreie der Ratte werden immer schriller. Sie verlangt Aufmerksamkeit. Sie verlangt Unterwerfung. Sofort. Die Ratte ist unsere Besorgnis. Sie kommt direkt aus der Amygdala. Jenem Teil unseres Gehirns der aus den Anfängen der Evolution übriggeblieben ist.

Weil die Ratte aus der Urzeit stammt, ist sie primitiv. Sie hat nur drei Ziele: Nicht gefressen werden, fressen und – Verzeihung – vögeln. Diese drei Ziele sind das Einzige was die Ratte interessiert.

Darum hasst die Ratte Veränderung. Denn Veränderung bedeutet Ungewissheit. Ungewissheit bedeutet eine Gefahr für das wichtigste Ziel der Ratte: „Nicht gefressen werden.“ Ob es eine reale Gefahr gibt, interessiert die Ratte nicht. Die Amygdala (unsere Ratte) ist nicht Intelligenz, sondern pure Reaktion. Unreflektiert. Animalisch.

Wir alle kennen die Ratte aus unserem täglichen Leben. Dort nennen wir sie „Besorgnis“. Wir wälzen uns im Bett und finden keinen Schlaf: Was wäre wenn…

Seit über 20 Jahren arbeite ich als Freiberufler und Unternehmer. Ich kenne die Ratte gut. Wie mein Kontostand im nächsten Monat aussehen würde: Ich wusste es fast nie. Trotzdem bin ich noch da und es geht mir gut.

Was waren die letzten fünf, sechs, sieben Dinge um die Du Dich gesorgt hast? Wie viele dieser Dinge sind wirklich eingetreten? Siehst Du? Die Ratte ist eine Drama Queen.

Das ist der Unterschied zwischen Besorgnis und echter Angst. Besorgnis ist immer schwammig, unkonkret. Sie fürchtet was sie nicht kennt. Sie fürchtet was sie nicht genau fassen kann.

Besorgnis ist nie real. Sondern eingebildet.

Den Unterschied zwischen Besorgnis und Angst erkennst Du sofort: Die Pistole die auf Dich gerichtet ist. Der Autounfall den Du gerade erlebst. Der Job der Dir gekündigt wird. Das ist Angst. Angst ist real und Du kannst sie präzise benennen.

Besorgnis dagegen ergeht sich in Andeutungen und wird nie konkret. Das kann sie gar nicht. Denn sie basiert auf Einbildungen.

Das bringt uns zur Frage: Wer soll über Dein Leben bestimmen? Einbildungen und schwammige Gefühle? Oder der Verstand. Das rationale Argument. Die kluge Abwägung verschiedener Güter.

Der größte Feind der Ratte ist der Geist. Unser Intellekt sitzt im Gehirn in der Neo-Cortex. Das ist die berühmte „graue Masse“. Der Geist interessiert sich für das Morgen, für die Gemeinschaft und die richtige Balance. Das hasst die Ratte. Denn die Ratte will nur: Nicht gefressen werden, sondern fressen – und nach Möglichkeit vögeln. (Sorry again).

Der Geist kann heute verzichten, um morgen ein besseres Leben zu führen. Der Geist kann sein Brot teilen, um einem anderen Menschen Gutes zu tun und eine Beziehung zu stärken. Der Geist hat den Mut völlig Neues zu wagen, um eine bessere Zukunft zu erschaffen.

Wer kontrolliert Dich?

Wer hat in Deinem Kopf das sagen, wenn es zur Sache geht? Wenn Du die Chance hast ein Risiko einzugehen und Großes zu leisten? Wenn Du die Gelegenheit hast großzügig zu sein oder kreativ?

Fängt die Ratte an zu kreischen? Hier ist ein Tipp: Höre nicht hin. Die Ratte ist eine Drama Queen. Sie will Aufmerksamkeit. Umso mehr Du ihr Beachtung schenken – umso mehr wird die Ratte Dich quälen. Ertrage ihr Gekreische ohne zu antworten. Irgendwann hört sie auf.

Vertraue Deinem Geist. Wäge Argumente rational ab: Gibt es einen konkreten Anlass zur Angst? Oder nur „Befürchtungen“? Sei großzügig. Lebe Deine verrückten Ideen aus. Einige werden Dir Spaß machen. Einige werden nicht funktionieren. Einige werden Dich weiter tragen, als Deine kühnsten Träume.

Ich mache seit über 20 Jahren jeden Tag dass was ich möchte. Nicht das was die Ratte verlangt. Ich bin weder besonders begabt, noch besonders klug. Ich habe auch kein reiches Elternhaus. Ich habe nur den Mut der Ratte den Mund zu verbieten. Du kannst das auch. Ich wünsche es Dir.

Wer hat die Zivilisation erschaffen?

Ein Nachtrag: Achte einmal genau darauf, wen verschiedene Politiker umwerben. Wenn Herr Höcke von der AfD vor „Krimigranten“ warnt: Dann spricht er zur Ratte. Denn die denkt nicht. Sie reagiert nur. Automatisch. Ohne Deine Einwilligung. Wie eine Aufziehpuppe. Willst Du Dich manipulieren lassen?

Wenn Joachim Stamp (FDP) seine Vorschläge zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vorstellt, dann dauert das länger als ein zehn Sekunden Statement. Denn er spricht zu Deinem Geist – und der will Argumente.

Wer hat die Zivilisation mit all ihren Segnungen erschaffen? Es war der Geist und nicht die Ratte. Wem sollst Du also vertrauen, wenn es um die Zukunft geht?

Auch in der Politik gilt wie im Leben: Die Rattenfänger erzielen schnelle Erfolge. Aber nur bei jenen die der Ratte gehorchen – statt den Geist zu bemühen.

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