Zeit für ein Europa der Bürger


Kooperation und nicht Abschottung hat uns Europäern Wohlstand, Freiheit und Frieden beschert.

Jetzt erlebt Europa eine Krise nach der anderen. Ursache ist nicht die sich stark verändernde Welt – sondern die Institutionen die sich diesem Wandel nicht angepasst haben. Europa als Verbund nationaler Staaten ist gescheitert. Mit einem Faxgerät kann man keine eMails versenden.

 

„Weiter so“ ist gescheitert.

Doch unsere nationalen Regierungen verharren im „weiter so“. Sie beharren auf Methoden die ins Desaster führen:

Im dunklen Hinterzimmer möchten die „Mächtigen“ Vereinbarungen erzielen. Ihr nationales Vetorecht hüten sie eifersüchtig, damit selbst der kleinste Regierungschef jede Entscheidung blockieren kann, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Das führt zur liebsten Methode der 28 europäischen Staatschefs: „Vertagen“.

Morgen werden die ungelösten Probleme zehn Mal so groß und gefährlich sein – aber morgen ist noch weit entfernt…

 

„Gestern“ führt in die Katastrophe.

Das nutzen die Feinde der offenen Gesellschaft und bieten ihre Alternative an: Zurück in den Feudalstaat, zurück in die engherzige Abschottung von unseren Nachbarn.

Dies ist ein Rezept für eine Katastrophe. Aus Abschottung folgt wirtschaftliches Versagen, denn in der vernetzten Welt kann niemand „alleine“ überleben.

Aus dem engherzigen Egoismus folgt Streit – und schließlich neue Konflikte. Wie leicht auch heute Nationalismus zu Kriegen führt, haben wir gesehen: In Jugoslawien, Georgien und der Ukraine.

 

Die zwei Grundübel der Europäischen Union.

Dies sind die zwei Grundübel der Europäischen Union in der heutigen Form:

  1. Sie kümmert sich um zu viele kleine Aufgaben, die vor Ort viel besser gelöst werden können.
  2. Sie versagt bei den großen Aufgaben, weil sie keinerlei Entscheidungsmacht hat. Die wirklichen Entscheidungen treffen noch immer die 28 nationalen Regierungschefs. Selbst wenn nur eine einzige nationale Regierung blockiert, werden Entscheidungen -oft für viel Geld – in die Zukunft „vertagt“. Jede „vertagte“ Krise kommt wenig später mit noch größeren Problemen zurück.

 

Den Status Quo klar benennen.

Wir Liberalen bieten eine dritte Alternative zum „weiter so“ der nationalen Regierungen und zum katastrophalen „Rückwärts in die schlechte alte Zeit“ der Nationalisten.

Wir erkennen:

Die großen Probleme der vernetzten globalen Gemeinschaft können wir nur gemeinsam lösen. In der Welt müssen wir Europäer mit einer gemeinsamen Stimme sprechen: Nur so können wir etwas erreichen.

Gleichzeitig müssen wir uns in Europa auf die Kernaufgaben konzentrieren. Wer sich um alles kümmert, erreicht am Ende gar nichts. Die EU muss aufhören, sich um „alles und nichts“ zu kümmern.

 

 

Die Lösung.

Die Europäische Union muss sich auf jene Bereiche konzentrieren, wo sie den größten Nutzen für alle Bürger schaffen kann:

– Außenpolitik
– Verteidigung
– Fiskalpolitik
– Euro

– Die „vier Freiheiten“: Freier Personenverkehr, freier Dienstleistungsverkehr, freier Kapitalverkehr und freier Warenverkehr.

 

 

Damit die Europäische Union diese Aufgaben erfüllen kann, brauchen wir eine echte europäische Regierung.

Diese Regierung handelt selbständig im Auftrag aller europäischen Bürger. Nur dann kann Europa wirklich mit einer Stimme sprechen. Die nationalen Regierungen werden in einer eigenen Kammer vertreten und dort in die Entscheidungsfindung einbezogen, wo sie mit der Umsetzung europäischer Gesetze betraut werden.

Eine so große Machtfülle muss unbedingt demokratisch legitimiert werden.

Die Regierung muss darum vom Europäischen Parlament vorgeschlagen, gewählt und entlassen werden.

Das europäische Parlament muss ein vollwertiges Parlament werden: Sämtliche Gesetze auf europäischer Ebene werden künftig vom Parlament vorgeschlagen, beraten und verabschiedet.

Die Wahl des Europäischen Parlaments ist so zu organisieren, dass sowohl sämtliche europäischen Regionen als auch die verschiedenen politischen Weltanschauungen repräsentiert sind.

Das deutsche Bundestagswahlrecht mit seiner Kombination von Wahlkreisen und Verhältniswahlrecht bietet dafür eine bewährte Blaupause.

 

In der Summe entsteht so eine echte „Bundesrepublik Europa“. Mit eigener Handlungsfähigkeit bei den Fragen die alle Europäer betreffen, einem Einmischungsverbot bei allen Fragen die nicht ausschließlich gemeinschaftlich geregelt werden können und einer echten Regierung die von einem gewählten Parlament legitimiert ist.

 

Eine solche Bundesrepublik Europa kann nur durch den erklärten Willen der Bürger geschaffen werden.

Ich fordere darum Referenden über die Zukunft der Europäischen Union in allen Mitgliedsländern.

 

Die Bürger jedes einzelnen EU-Landes müssen frei entscheiden:

  1. Ob sie der föderalen Bundesrepublik Europa mit einer gemeinsamen europäischen Regierung, einem gemeinsamen Außen-, Verteidigungs-, Fiskalpolitik und dem Euro angehören.

oder

  1. Ob sie stattdessen einer „assoziierten“ Freihandelszone beitreten, die zwar die vier Freiheiten gewährt, aber kein Mitspracherecht in der föderalen Bundesrepublik Europa gewährt. Auch den Euro können „assoziierte“ Staaten NICHT erhalten. (Da dieser eine gemeinsame Fiskalpolitik voraussetzt.)

Die Vorbereitungen eines solchen Referendums müssen jetzt beginnen und sollten spätestens zur Europawahl 2024 erfolgen.

 

Zeit zu Handeln.

Schon das Grundsatzpapier der deutschen  fordert:

„Wir Freien Demokraten wollen dass Europa…zu einer politischen Union mit festen föderalen Grundsätzen, demokratischen Strukturen und einer klaren subsidiären Ordnung wird. Am Ende dieser Entwicklung soll ein durch Volksabstimmungen legitimierter europäischer Bundesstaat stehen.“

Der Zeitpunkt zu handeln ist jetzt.

Zeigen wir den nationalen Regierungen, dass wir ein „vertagen“ von Problemen nicht mehr akzeptieren. Setzen wir die Verantwortlichen in den Regierungen unter Druck – damit wir frei in einem Referendum entscheiden können. Bauen wir ein „Europa der Bürger.“

PS: Ich hoffe wir bleiben in Kontakt. Bitte regstriere Dich unten für meinen kostenlosen Newsletter.

 

Update

Viel ist geschehen, seit ich diesen Artikel geschrieben habe. Ich bin jetzt Spitzenkandidat der Neuen Liberalen – Die Sozialliberalen zur Europawahl 2019. Bei der Wahl zum EU Parlament gibt es keine Sperrklausel. Schon 300.000 Stimmen bedeuten ein sicheres Mandat. Selbst 180.000 Stimmen (Deutschlandweit) können uns einen Abgeordneten bescheren.

Unsere erste Aufgabe: 4.000 Unterschriften für den Bundeswahlleiter sammeln.

Bitte unterstütze mich mit Deiner Unterschrift!

 

Jobs für Europas verlorene Generation

Chris Pyak und Alexander Graf Lambsdorff im Gespräch zu Europa

Es klafft ein Abgrund zwischen dem Leben dass Du genießen könntest und der Wirklichkeit in Europa. Besonders wenn es um Deine Karriere geht.
So könnte Dein Leben nach der Universität aussehen: Es gibt wenig Arbeitsplätze, aber Du machst Dir keine Sorgen. In Deinem Erasmus Semester hast Du ein paar Freunde gemacht und die verschaffen Dir ein Praktikum in Stockholm. Das Praktikum führt zu Deinem ersten Job in Berlin. Du arbeitest hart am Tag und feierst härter in der Nacht.

Nach drei Jahren ziehst Du nach Paris. Deine erste Senior Position. Du triffst jemanden und verliebst Dich. Gemeinsam mit Deinem Schatz, nutzt Du eine Chance und ziehst nach Amsterdam. In den Niederlanden garantiert der Staat Dein Recht im Home Office zu arbeiten. Das nimmst Du gerne wahr. Dein erstes Kind wird geboren.

Es wäre schön, wenn die Großeltern in der Nähe wären. Also entscheidest Du Dich Dein Kind in der Heimat aufzuziehen. Deinem niederländischer Chef ist es egal, ob Dein Home Office am anderen Ende der Stadt oder zweitausend Kilometer entfernt ist.

Du wirst Freiberufler und arbeitest für Kunden in ganz Europa. Du arbeitest weniger, verdienst mehr und Du bist unabhängig. Du hast ein gutes Leben. Deine Kinder werden erwachsen und Du spürst: Es ist Zeit für den Ruhestand. Also packst Du mit Deinem Schatz eure sieben Sachen und verbringst den Lebensabend an einem sonnigen Strand in Portugal.

Hört sich nach einem guten Leben an, nicht wahr?

Die Wirklichkeit sieht so aus: Artikel 45 der Europäischen Verträge gibt Dir das Recht überall in Europa zu arbeiten. Aber das ist reine Theorie.

Du hast einen Abschluss von der Universität Madrid. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien beträgt 50 Prozent. Also ziehst Du nach Deutschland, um Arbeit zu finden. Du bewirbst Dich bei hundert Firmen und hörst jedes Mal das Gleiche: „Es tut uns leid – aber Sie sprechen kein Deutsch“. Die wirklichen Aufgaben der Stelle würdest Du leicht bewältigen, aber niemand gibt Dir eine Chance. Ich treffe Dich am Flughafen: Du lässt Deine Schultern hängen, Dein Kopf ist gesenkt: Du bist besiegt, zerschlagen. Verbittert und hoffnungslos kehrst Du nach Hause zurück.

Die Hälfte aller jungen Spanier und Griechen hat keine Arbeit. Ein Viertel der italienischen und französischen Jugend ist ohne Job. Die am besten ausgebildete Generation aller Zeiten, hat keine Gelegenheit ihr Wissen in Fähigkeiten umzuwandeln.

Zur gleichen Zeit braucht Nordeuropa dringend Fachkräfte. Allein in Deutschland brauchen wir in den nächsten 15 Jahren rund sechs Millionen Arbeitskräfte – nur um die Generation der Baby Boomer zu ersetzen. Schon jetzt sind 540.000 Stellen unbesetzt. Gleichzeitig ziehen jedes Jahr 700.000 EU Bürger nach Deutschland.

Warum finden Jobs und Fachkraft nicht zu einander?

Im letzten Jahr habe ich mit 500 Personalern gesprochen. Alle wollen im Ausland rekrutieren und anscheinend rauchen sie alle Gras: Sie können sich nicht von der Illusion trennen, dass sie im Ausland Fachkräfte finden die bereits Deutsch sprechen. Nur 3.5% aller Stellenangebote sind auf Englisch verfügbar. Das sind 19.000 Jobs für 700.000 EU Bürger.

Stellen Sie nur rothaarige Programmierer ein?

Was wäre, wenn Sie nur Software Developer, Business Analysten oder Marketing Experten einstellen würden, die rote Haare haben? Mit der fachlichen Qualifikation hat die Haarfarbe nichts zu tun, aber die Erfolgsaussichten wären genauso hoch wie die Chance, dass sie deutschsprachige Programmierer, Analysten oder Marketing Experten im Ausland finden: Etwa 1.5 Prozent.

Die Lösung ist offensichtlich: Wenn es Millionen Jobs in Nordeuropa gibt und Millionen gut ausgebildete Arbeitslose in Südeuropa: Bringt sie zusammen!

Erlaubt jungen Fachkräften auf Englisch in der Firma anzufangen und die lokale Sprache „on the job“ zu lernen. Nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa. Gebt Europäern die Freiheit für die besten Firmen zu arbeiten und von den besten Leuten zu lernen. Nicht nur von denen, die zufällig die gleiche Sprache sprechen, sondern von den begabtesten Menschen in ganz Europa.

Wir könnten zwei Millionen Arbeitsplätze in Europa schaffen, wenn die Arbeitsmobilität bei uns ebenso hoch wäre wie in den USA, sagt Martina Dlabajova (ALDE party) in ihrem Bericht für das Europäische Parlament.

Ich arbeite als internationaler Recruiter. Das größte Hindernis bei der Stellenbesetzung ist nicht Talente zu finden. (Jedenfalls nicht, wenn man weltweit sucht). Das größte Hindernis ist: Die besten Kandidaten sind oft nicht bereit umzuziehen. Das nennt man „Mismatch“ und gilt ebenso für Regionen innerhalb Deutschlands wie weltweit.

Ich bin der festen Überzeugung: Wir können nicht nur Krisen bewältigen. Wir können den Menschen ein besseres, glücklicheres Leben ermöglichen. Dazu müssen wir nichts abgeben. Wir müssen nur die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Menschen davon abhalten sich selbst eine glückliche Zukunft aufzubauen.

Wir brauchen einen Arbeitsmarkt der dem einzelnen Menschen die größten Möglichkeiten eröffnet. Dafür muss der europäische Arbeitsmarkt wie unser Smartphone funktionieren:

Millionen individueller „apps“: Das sind unsere Fähigkeiten und unsere Erfahrung. Trotzdem können all diese apps miteinander kooperieren. Denn sie alle nutzen ein gemeinsames „Operating System“. Beim Handy ist das Android, in der wirklichen Welt: Englisch.

Zwei Drittel aller Europäer zwischen 18 und 42 Jahren sprechen Englisch. In der Geschäftswelt ist Englisch längst „lingua france“ – vor allem für eine Exportnation wie Deutschland.

Stell‘ Dir vor Du könntest in ganz Europa arbeiten. Nicht theoretisch, sondern wirklich. Stell‘ Dir vor Du könntest bei jeder Firma auf Englisch anfangen und die lokale Sprache „on the job“ lernen.

Ich wünsche Dir eine großartige Karriere. Ich wünsche Dir die Chance auf „jeden Job, überall“.

Nachwort

Der Economist weißt darauf hin: Nur mit hoher Arbeitsmobilität kann der Euro funktionieren. Dieser Artikel erschien leicht abgewandelt in meiner Kolumne für „The European„.

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Speak English! Abschied von der deutschen „Burka“

Warum Deutschland Englisch als zweite Amtssprache einführen und die deutsche „Burka“ ablegen muss.

 

Zwei Orte sind symbolhaft für die Zukunft Deutschlands.

Wenn ich aus meinem Fenster in Düsseldorf-Oberbilk schaue, sehe ich Frauen in Burkas, Männer mit langen Bärten und wallenden Gewändern sowie Fastfood Shops die damit werben, dass ihr Essen „Halal“ ist.

Dieses Bild bestimmt die Diskussion um Einwanderung in Deutschland. Doch in Wirklichkeit ist es irrelevant für die Zukunft unseres Landes. Warum?

Diese Menschen schotten sich ab. Sie sind fixiert auf die Vergangenheit, anstatt die Zukunft zu gestalten. Sie haben keinen Einfluss, weil sich nichts zur Gesellschaft beitragen. Aus diesem Grund haben sie keinen Erfolg. Sie sind irrelevant.

Ganz anders der zweite Ort. Tallinn. Fünf Jahre lang habe ich in Estland gelebt. Dass kleine Land hat mir gezeigt wie Erfolg in der Zukunft aussieht.

Estland hat eine kleine Bevölkerung und keine Bodenschätze. Weniger als ein Prozent der Europäer sprechen Estnisch.

In der estnischen Sprache gibt es weder „er, sie, es“ noch eine Zukunftsform. „No sex, no future“ lautete denn auch ein ständiger Witz unter uns Einwanderern.

Die Esten verstanden: Ihre Sprache ist ein weiteres, großes Hindernis für ihren Erfolg. Mit Estnisch kann man keine Produkte ins Ausland verkaufen, keine ausländischen Investoren ins Land holen und auch keine internationalen Fachkräfte gewinnen.

Ohne Ausländer, kein Verständnis des Auslands. Da das „Ausland“ aber 99% des Marktes ausmacht, mussten die Esten etwas ändern. Denn ohne Export kann das Land nicht überleben.

Was die Esten taten, erforderte großen Mut.

Sie führten Englisch als zweite Amtssprache ein. Jedes Gesetz und jedes Formular ist in Estland auf Englisch erhältlich. Jeder Beamte, jeder Arbeitgeber und jedes Kleinkind spricht fließend Englisch.

Alle Fernsehprogramme sind in englischer Originalsprache (mit Untertiteln) und der Sprachunterricht beginnt im Kindergarten. Heute ist Estland dass Land mit den 4. besten Englischkenntnissen weltweit.

Wie mutig diese Entscheidung war, wird klar wenn man die Geschichte Estlands kennt. Das Land war immer wieder erobert worden. Die Bewahrung der eigenen Identität ist den Esten darum sehr wichtig.

Trotzdem wählten die Esten Offenheit statt Abschottung. Die Ängste ihrer Vergangenheit sollten ihre Zukunft nicht blockieren.

Heute ist Estland das modernste Land Europas. Das Recht auf freies Internet steht in der Verfassung, die Steuererklärung (20 Prozent Steuer-Flatrate) kommt fertig ausgefüllt per email. Die Esten wählen sogar ihr Parlament bequem zu Hause am Computer. Estnische Firmen wie skype operieren weltweit.

Die Folge: Der Staatshaushalt ist ausgeglichen. Die Verschuldung beträgt nur zehn Prozent. (Deutschland 82 Prozent). Trotz Eurokrise geht es den Esten Jahr für Jahr besser. Noch wichtiger: Die breite Masse der Bevölkerung profitiert vom Aufschwung.

Darum sind z.B. die Konflikte mit der russischen Minderheit gering. Wer nach Estland kommt, spürt überall den ruhigen Optimismus der Menschen. Sie wissen: Ihr Erfolg hängt ab von ihrer eigenen Tatkraft.

Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Erinnern Sie sich an meine Nachbarn vom Anfang dieses Textes? Sie weigern sich unsere Sprache zu lernen,  sie schotten sich ab von der Mehrheitsgesellschaft und sie wollen keinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten – außerhalb ihres eigenen Kulturkreises. Kein Wunder dass sie keinen wirtschaftlichen Erfolg haben, oder?

Wir Deutschen handeln genau so.

Wir denken, dass die gut ausgebildeten Menschen die heute aus Spanien, Portugal oder Rumänien zu uns kommen, „nicht zum deutschen Markt“ passen. Weil sie kein Deutsch sprechen.

In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt: Es gibt keinen „deutschen Markt“  mehr. Es gibt nur noch einen weltweiten Markt. Die Strategien sind weltweit, nur das Marketing ist lokal.

Das Internet hat alle Grenzen aufgehoben. Logistikunternehmen liefern heute jedes Produkt in jedes Land der Erde – zu wirtschaftlichen Preisen.

Eine Riesenchance. Während ich dies schreibe, sitzt mein Sales Manager in seinem Homeoffice in Sao Paulo (+ 28 Grad, wolkenloser Himmel) – und wirbt Klienten für Immigrant Spirit in Deutschland.

Die Berliner Startups die unsere wichtigsten Klienten sind, planen die weltweite Expansion vom ersten Tag. Ein Jahr nach der Firmengründung sind die meisten dieser jungen Firmen in zehn Ländern oder mehr aktiv.

Nur Nordkorea kann sich vom Wettbewerb der Welt abschotten. Wenn Deutschland erfolgreich bleiben will, braucht es Unternehmen die weltweit agieren.

Das erfordert zwingend Mitarbeiter die international denken. Wir brauchen keine „deutschen“, „indischen“ oder „chinesischen“ Fachkräfte. Wir brauchen Kosmopoliten.

Die Zukunft gehört den Kosmopoliten

Kosmopoliten sprechen die Sprache des Business. Das ist Englisch, nicht Deutsch. Von den 25.000 internationalen Fachkräften die meinen Newsletter lesen, sprechen alle fließend Englisch, aber nur zwei Prozent Deutsch. Dabei sind dies schon Fachkräfte, die sich für eine Karriere in Deutschland interessieren. Die meisten Topkräfte träumen aber von den USA, der UK, China, Indien oder Singapur.

Wie würden Sie lieber „Talent“ rekrutieren? Aus 25.000 Kandidaten – oder aus 500?

Wenn wir ausländische Investoren, Geschäftspartner und Fachkräfte gewinnen möchten, müssen wir unnötige Hindernisse abbauen. Das beharren auf Deutsch als einziger Amtssprache ist heute das wichtigste Hindernis.

Englisch als zweite Amtssprache ist aber auch ein Zivilisationsprojekt. Nur als Teil Europas kann Deutschland eine Bedeutung in der Welt bewahren. Wir müssen uns weiterentwickeln: Vom Bayern oder Westfale zum Deutschen – und jetzt vom Deutschen zum Europäer.

Dies erlaubt auch den Einwanderern eine gemeinsame Identität mit uns zu entwickeln. Als Europäer können wir die Zukunft gestalten. Für eine gemeinsame europäische Identität brauchen wir aber eine gemeinsame Sprache: Englisch.

Darum ist das Projekt von „The European“ so großartig. Es bietet die Chance eine gemeinsame, europäische Öffentlichkeit zu schaffen. Wussten Sie dass es eine englische Ausgabe des „The European“ gibt?

Estland ist klein in Europa. Deutschland ist klein in der Welt. Wir Deutschen machen weniger als 1% der Weltbevölkerung aus. Und wir werden älter und weniger.

Mir scheint dass viele Deutsche nicht verstehen, wie unbedeutend wir in der Welt sind – und wie sehr unser Einfluss in den nächsten Jahren sinken wird:

Wie Deutschland sich verändert:

  • Nur 65 Millionen Deutsche haben keine ausländischen Vorfahren. Die Hälfte von ihnen ist älter als 46 Jahre.
  • Ein Viertel der Einwohner Deutschlands sind Einwanderer oder Einwandererkinder.
  • Die Flut der Rentner hat begonnen. Weit über eine Million Deutsche verlassen jedes Jahr den Arbeitsmarkt – nur 650.000 Berufseinsteiger folgen jährlich.
  • Ein Drittel der Berufseinsteiger hat einen „Migrationshintergrund“.
  • Zusätzlich kommen eine Million Einwanderer pro Jahr. Anders als früher sind diese besser ausgebildet als der Durchschnittsdeutsche.
  • In 10-20 Jahren wird fast die Hälfte Deutschlands aus Einwanderern bestehen. Wir werden bunt sein.
  • Es werden diese Einwanderer sein, welche die Renten der Babyboomer zahlen und die rund eine Million zusätzlicher Pflegefälle versorgen.

Wie die Welt sich verändert:

Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen kann, hat einen gewissen Lebensstandard erreicht. 1975 lebten 2/3 der Menschen die sich einen Flug leisten konnten im Westen. (Amerika und die EU). Heute lebt die Hälfte dieser wohlhabenden Menschen im „Rest“ der Welt. In zehn Jahren werden 2/3 der wohlhabenden Menschen außerhalb von EU und Amerika leben. Ersetzen Sie Menschen durch „Kunden“ und sie verstehen wo in Zukunft die Musik spielt.

Schon heute investieren deutsche Unternehmen mehr im Ausland als in Deutschland. Wenn der Umsatz, die Kunden und die Mitarbeiter im Ausland sind – wie lange bleibt dann die Firmenzentrale im Hochsteuerland Deutschland?

Und wenn die Unternehmen abwandern, wer bezahlt dann unser Sozialsystem?

Wir können dann entweder eine Auseinandersetzung „junge Einwanderer gegen alte Deutsche“ führen – oder wir entwickeln eine gemeinsame europäische Identität.

Das beharren auf Deutsch als einziger Sprache ist unsere „Burka“: Sie schottet uns ab von unseren Mitmenschen. (Dem Rest der Welt).

Bewahren wir unsere Sprache und Tradition – aber führen wir gleichzeitig Englisch als „gemeinsame Sprache“ ein. Schaffen wir eine europäische Öffentlichkeit und eine europäische Identität.

Dann bleibt Europa relevant. Und wir erfreuen uns an einer Welt, die – entgegen des „gesunden Menschenverstandes“ – immer besser wird, wie Hans und Ola Rosling belegen.

 

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