Die Freiheit nehm‘ ich mir


Heute vor genau 20 Jahren forderte Roman Herzog: „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.“

Wenige Jahre später bin ich ausgewandert, habe in fünf Ländern gelebt und gearbeitet, habe eine Familie gegründet, bin nach Deutschland zurückgekehrt und ein Unternehmen gegründet.

Auf den „Ruck“ warte ich bis heute.

Die Real-Löhne stagnieren. Die Bürokratie ist gewaltig. Und die tatsächlich erlebte Freiheit des Einzelnen ist kaum größer geworden.

Im Vergleich mit den anderen Ländern in denen ich gelebt habe, hat sich in Deutschland fast nichts bewegt.

In Estland konnte ich meine Steuererklärung in drei Minuten online erledigen. Genau so wie alle anderen Behördengänge. Die wenigen, klaren Regeln haben die Korruption besiegt und Chancengleichheit geschaffen.

In der Schweiz gibt es eine staatlich garantierte Mindestrente für jeden. Finanziert aus allgemeinen Steuern. So werden die Kosten der alternden Gesellschaft auf alle Bürger gleichermaßen verteilt – ohne Arbeit unerträglich teuer zu machen.

In den Niederlanden (wo ich noch nicht gelebt habe) haben Arbeitnehmer ein Recht auf Home Office. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass Anwesenheit im Büro sachlich erforderlich ist. Das erspart den Niederländern Millionen Stunden im Stau, reduziert den Stress und führt zu glücklicheren Familien. Der niederländischen Wirtschaft geht es prächtig.

Und bei uns?

Vor echter Freiheit haben wir Deutschen Angst. Lieber finden wir tausend Einwände und Zweifel, um weiter in unserem Käfig sitzen bleiben zu können.

„Verhindern“ heißt das oberste Gebot! Und zwar auch bei vielen die sich angeblich den Liberalismus auf die Fahne geschrieben haben.

Wer mit Ralf Dahrendorf die tatsächlichen Lebenschancen von Menschen vergrößern will, stößt auf massiven Widerstand. Wer den Anspruch erhebt, die wirklich nutzbare Selbstbestimmung von Menschen zu vergrößern, wird gefürchtet:

Denn das bedeutet ja, dass sich etwas ändern wird. Das würde Privilegien gefährden. 68 Prozent der deutschen Arbeitnehmer können und möchten im Home Office arbeiten. Doch nur zwölf Prozent dürfen. Denn wie sie arbeiten und wo: Das dürfen sie nicht selbst bestimmen. Sie werden fremdbestimmt. Von ihrem Arbeitgeber – ob das der Job erfordert oder nicht.

Die Kosten für Rente und Pflege werden explodieren, weil jetzt die Babyboomer in Rente gehen. Wir könnten diese Aufgabe bewältigen ohne irgend jemanden zu überfordern. Wenn wir alle Einkünfte gleich und niedrig besteuern. Aber dass würde bedeuten, die Privilegien von Erben anzugreifen. Sobald es um das eigene Geld geht, sind viele Liberale auf einmal Kollektivisten. Dann wird aus „ich und meine Verantwortung“ ruckzuck: „Unser“ Geld als Familie. Als ob jemand ein Millionenerbe ablehnen würde, wenn er darauf 20% Steuern zahlen müsste.

„Leistung muss sich lohnen“ – Solange Du kein Einwanderer bist. Oder eine Frau. Jeden Tag erlebe ich wie hochbegabte, fähige Menschen bei der Jobsuche diskriminiert werden – nicht aufgrund objektiver Gründe, sondern weil sie nicht in die „DIN Norm“ passen. Auch innerhalb der Partei welche sich die Würde des Einzelnen auf die Fahne schreibt: Die FDP predigt seit 20 Jahren „der Markt regelt das“. Wer über eine Frauenquote nachdenkt, ist des Teufels. Der Frauenanteil bei den Freien Demokraten ist im gleichen Zeitraum von 25 auf 23 Prozent gesunken. Aber Ideologie ist wichtiger als Fakten.

Warum eigentlich?

Ich bin damit nicht zufrieden. Ich bin ein Liberaler. Ich will die wirklich nutzbare Freiheit von Menschen vergrößern. Nicht in 20 Jahren, wenn es für die meisten von uns zu spät ist.

Sondern heute.

Die Freiheit nehm‘ ich mir. Und Du?

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