„Born A Crime“ von Trevor Noah. Buchbesprechung

Trevor Noah Born a Crime Buchbesprechung von Chris Pyak


Dieses Buch ist tough, mutig und optimistisch. Trevor Noah wurde als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters geboren. Im Südafrika der Apartheid waren sexuelle Kontakte zwischen „Rassen“ illegal.  „Gemischte“ Kinder wurden in Heime geschickt, wenn sie erwischt wurden – weswegen Trevor Noah als kleines Kind nur selten das Haus verlassen durfte.

Schwarze lernten das „Ein mal eins“ Lied – ansonsten verweigerte ihnen die Regierung jede Bildung.² Wie Trevor sich aus den Slums von Soweto zum Host der Daily Show hochgearbeitet hat, ist inspirierend – und bricht mir gleichzeitig das Herz.

Gerade habe ich Born A Crime: Stories from a South African Childhood zu Ende gelesen. Ich empfehle „Born a crime“ jedem als Lektüre.

Zwei Lehren habe ich aus diesem Buch gezogen. Die erste Lehre betrifft uns.

„For the first time in my life I had money, and it was the most liberating thing in the world. The first thing I learned about money was that it gives you choices. People don’t want to be rich. They want to be able to choose.

Noah hat völlig Recht. Geld soll uns mehr Möglichkeiten geben. Wenn wir die Lebensqualität weiter steigern wollen, dann sollten wir den Fokus auf mehr Wahlfreiheit legen. Und nicht einfach nur auf „mehr“. Was ich damit meine?

Wie stark steigt deine Lebensqualität, bei einer Gehaltserhöhung von 150 EUR oder wenn Deine Steuern um 70 EUR im Monat sinken? Was wäre, wenn Du statt 70 EUR mehr im Monat jeden Tag zwei Stunden mehr Freizeit haben könntest? Wenn Du Deinen Arbeitsort und Deine Arbeitszeit selbst wählen dürftest? Wenn Dir Dein Chef nicht nur die Verantwortung für Resultate zuschieben würde – sondern Dir auch die Freiheit gäbe, selbst zu entscheiden wie Du diese Resultate erreichst?

Wenn alle Strassen renoviert sind und die Eisenbahn mit funkelnagelneuen Zügen fährt: Wie viel besser wird Dein Weg zur Arbeit sein? Wie viel Zeit wirst Du im Stau sparen? Und wie verhält sich dieser Gewinn an Lebensqualität zu der anderen Möglichkeit: Das Du selbst entscheidest, ob Du überhaupt zur Arbeit fährst.

Gerade habe ich einer meiner Klientinnen geholfen, ihren Arbeitsvertrag neu zu verhandeln. 8.000 EUR bekommt sie jetzt mehr im Jahr. Aber der viel größere Gewinn aus ihrer Sicht: Sie kann künftig im Home Office arbeiten. Und spart so jeden Tag zwei Stunden im Stau. Das sind zwei Stunden mehr Lebensqualität jeden Tag. Zwei Stunden mit ihrem Kind, ihrem Mann und ihren Hobbies – statt zwei Stunden in einer Blechbüchse vor einer roten Ampel.

Die zweite Lehre betrifft die Aufsteiger in unserer Welt.

„Give a man a fish and you feed him for the day. Teach him how to fish and you feed him every day. What they don’t tell you: It would be nice if you give him a fishing rod too.“

Das ist eine Einsicht die ich schon vor langer Zeit hatte. Ich habe mich aus einfachen Verhältnissen von der Hauptschule bis zur Uni hochgearbeitet. Bildung ist gut und schön. Freiheit von staatlichem Zwang ist eine Grundvoraussetzung. Aber Freiheit von Zwang und Bildung alleine reichen nicht für ein erfolgreiches Leben. „They want to be able to choose.“ – Wer Lebenschancen wirklich nutzen will, der braucht noch zwei weitere Zutaten: Die grundlegenden materiellen Voraussetzungen – und Beziehungen. Ich habe in fünf Ländern Europas gelebt und eine 25-jährige internationale Karriere aufgebaut.

Was hat mir dabei geholfen? Ich investiere sehr viel Zeit, um zu verstehen wie ich Dir nützen kann. Meine unstillbare Neugier hat auch nicht geschadet. Aber seien wir ehrlich: Ich wäre im Leben nicht sehr weit gekommen, wenn es nicht immer wieder gute Menschen gegeben hätte, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Ohne den guten Rat, die Ressourcen und das Geld dieser Menschen hätte mein Wissen und meine Neugier keine Wirkung entfaltet.

Ralf Dahrendorf, der große Soziologe, hat das erkannt. Trevor Noah und ich haben das am eigenen Leibe erlebt.

²(Ähnlich wie die Nazis, deren Ziel es war das Polen „nur bis 100 zu zählen lernen.“ Mehr Wissen brauchen Sklaven nicht.)

Auf Deutsch gibt’s „Born A Crime“ hier: Farbenblind

PS: Bleiben wir in Kontakt! Weiter unten kannst Du meinen kostenlosen Newsletter bestellen.

 

Bitte teile dies mit einem Freund.