„Der Hammer“ oder „Will ich meine Frau erschlagen?“


„Eigentlich will ich das gar nicht.“ Mein dritter Interviewpartner beim Expats Career Podcast war Dustin Figge. Dustin ist Geschäftsführer von Homelike GmbH und wollte einen PHP Programmierer einstellen. Ich hatte ihn gefragt: „Warum willst Du einen PHP Programmierer einstellen?“

Seine Antwort: „Das will ich gar nicht.“

Was Dustin wirklich will, so stellte sich heraus, war „ein PHP Programmierer der die Business Seite, von dem was wir tun, versteht.“ Homelike vermietet Wohnungen an große Konzerne, welche ihre Mitarbeiter auf Außeneinsätze schicken. Um mit den Konzernen ins Geschäft zu kommen, muss Dustin beweisen, dass er ein hohes Maß an Qualität sicherstellen kann. Ohne Ausnahmen.

Das Ziel von Dustin war nicht „sauberer Code“, sondern „Verkaufsabschlüsse“. Der beste Programmierer für diesen Job, war nicht jener mit der größten Erfahrung, sondern derjenige mit dem höchsten Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit. Nicht Skill, sondern Haltung.

Wenn ich Stellenanzeigen lese, erfahre ich praktisch nie etwas über das „Warum?“ einer Position.

Stellenanzeigen sprechen über den Hammer – aber verraten mir nicht wozu der Hammer genutzt werden soll. Will ich damit ein Bild an die Wand hängen? Möchte ich ein Haus bauen? Oder will ich mir meine Frau vom Hals schaffen und die Lebensversicherung kassieren?

Ich berate im Jahr etwas über 100 internationale Fachkräfte, die in Deutschland ihre nächste Herausforderung suchen. Mein wichtigster Rat: „Ruft die Firmen an, bevor ihr eure Bewerbung sendet. Stellt genau zwei Fragen.“

Die erste Frage ist: „Was ist das größte Problem dass Sie mit dieser Position lösen wollen?“ und die zweite: „Woran erkennen Sie, dass ich in dieser Position erfolgreich war – ganz konkret?“ (Also: „Wie messen Sie Erfolg?“)

Beide Fragen werden erst wertvoll, wenn der Kandidat eine Antwort auf die Nachfrage erhält: „Warum genau dieses Problem?“, „Warum genau dieses Erfolgskriterium?“

Wenn meine Kandidaten Dich anrufen und Dir diese beiden Fragen stellen: Kannst Du sie beantworten? Oder wirst Du Deine und seine Zeit verschwenden und über den Hammer sprechen – statt über das Bild an der Wand, das neue Haus oder die günstige Alternative zur Scheidung?

Es ist die Aufgabe von Recruitern, die richtigen Kandidaten für das Ziel auszuwählen. Darum müssen Personaler ihre Abteilungsleiter grillen und ihnen notfalls so lange auf die Nerven gehen, bis sie eine fundierte Antwort auf die Frage bekommen: „Wenn der neue Mitarbeiter erfolgreich ist – was ist dann anders als jetzt?“

Wenn Abteilungsleiter sich nicht die Zeit nehmen wollen, um Erfolgskriterien zu definieren – dann müssen HR Manager mit einem professionellen Anspruch den Suchauftrag ablehnen. Ein Navi ist nutzlos, wenn es zwar den Fahrzeugtyp beschreibt, aber nicht das Ziel.

Den Job mit Homelike hat übrigens ein Coachee von mir bekommen. Marcel hat zu diesem Zeitpunkt noch in Südafrika gelebt. Dies war sein Bewerbungschreiben (übersetzt aus dem Englischen):

„Lieber Dustin,

Danke dass Du Dir im Expats Career Podcast Zeit für unsere Fragen genommen hast. Du hast erwähnt, dass Deine größte Herausforderung ist, zu jedem Zeitpunkt ein hohes Maß an Qualität sicherstellen zu können.

Ich habe die letzten drei Jahre für FIRMENNAME in Südafrika gearbeitet. In dieser Zeit konnten wir die Kundenbeschwerden um 85% reduzieren.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei einem persönlichen Gespräch über dieses Thema austauschen könnten.

Mit freundlichen Grüßen,

Marcel.“

Meine Bitte an alle Personaler: Macht euch das Leben leichter! Geht den Abteilungsleitern so lange auf die Nerven, bis sie euch klare Erfolgskriterien für die zu besetzende Stelle nennen. Der Aufwand – und notfalls der Streit – am Anfang, spart euch endlos Zeit bei der Suche.

Kommuniziert messbare Erfolgskriterien, dann erhaltet ihr deutlich passendere Bewerber!

Deutschland würde für Frankreich zahlen. Wirklich?


Emmanuel Macron fordert eine deutliche Vertiefung der Europäischen Union – und volle Rechte für das Europäische Parlament. Manche Deutsche lehnen das ab mit dem Argument „Deutschland würde für Frankreich zahlen“.

Stimmt das? Ein paar Fakten.

Sozialtransfer in der EU

1. „Sozialtransfer“ sind vor allem die Rentenzahlungen. Wir Deutschen haben die älteste Bevölkerung in der EU.

Die Belastungen durch Renten und Pensionszahlungen in Deutschland sind mehr als doppelt so hoch wie unsere Staatsverschuldung. Vor fünf Jahren lag die echte Verschuldung Deutschlands bei 192 Prozent. Italien ist weniger verschuldet!

Bei Renten geht um riesige Summen. Bei der Arbeitslosenhilfe um relativ kleine Beträge. Wir würden zwar bei der Arbeitslosenhilfe Franzosen und Italiener mitfinanzieren doch diese würden im Gegenzug helfen die Kosten unserer alten Bevölkerung zu tragen. Und dort – nicht bei den Jungen – entstehen die größten Belastungen. Wessen Krankenhaus und Pflegekosten sind höher? Die eines 20-jährigen Spaniers oder die eines 73-jährigen Deutschen?

Europäischer Arbeitsmarkt

2. Würde eine engere Kooperation auch Anreiz sein, endlich auf dem Arbeitsmarkt eng zu kooperieren. In Deutschland fehlen in den nächsten 13 Jahren 6 Millionen junge Menschen nur um ausscheidende Babyboomer zu ersetzen. Gleichzeitig sind aktuell noch Millionen in Südeuropa ohne Job.

Hier könnten wir gemeinsam zwei Probleme gleichzeitig lösen. Indem wir es einfacher machen überall in Europa auf Englisch in den Beruf einzusteigen und die lokale Sprache „on the job“ zu lernen. Es sind nämlich nicht ausländische Arbeitskräfte „schlecht“ in den deutschen Arbeitsmarkt integriert. Sondern die deutschen Arbeitgeber sind schlecht in den weltweiten Arbeitsmarkt integriert. Für ein Land das zum größten Teil vom Export lebt, ist das gefährlich.

Die Zukunft des Euro

Der Euro hat nur eine Zukunft wenn die Euroländer deutlich enger zusammenarbeiten. Darauf hat Warren Buffett, immerhin der erfolgreichste Investor aller Zeiten, schon 2012 hingewiesen. Das bedeutet: Mehr Macht auf der Europäischen Ebene. Als Liberaler fordere ich: Diese Macht muss deutlich besser demokratisch legitimiert werden. Darum muss das EU Parlament endlich volle Rechte erhalten.

 

Es lohnt sich über diese Fragen genauer nachzudenken – und die Konsequenzen genauer zu studieren. Bleiben wir im Gespräch: Ich würde mich freuen, wenn Du Dich für meinen Newsletter anmeldest.

Die Freiheit nehm‘ ich mir


Heute vor genau 20 Jahren forderte Roman Herzog: „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.“

Wenige Jahre später bin ich ausgewandert, habe in fünf Ländern gelebt und gearbeitet, habe eine Familie gegründet, bin nach Deutschland zurückgekehrt und ein Unternehmen gegründet.

Auf den „Ruck“ warte ich bis heute.

Die Real-Löhne stagnieren. Die Bürokratie ist gewaltig. Und die tatsächlich erlebte Freiheit des Einzelnen ist kaum größer geworden.

Im Vergleich mit den anderen Ländern in denen ich gelebt habe, hat sich in Deutschland fast nichts bewegt.

In Estland konnte ich meine Steuererklärung in drei Minuten online erledigen. Genau so wie alle anderen Behördengänge. Die wenigen, klaren Regeln haben die Korruption besiegt und Chancengleichheit geschaffen.

In der Schweiz gibt es eine staatlich garantierte Mindestrente für jeden. Finanziert aus allgemeinen Steuern. So werden die Kosten der alternden Gesellschaft auf alle Bürger gleichermaßen verteilt – ohne Arbeit unerträglich teuer zu machen.

In den Niederlanden (wo ich noch nicht gelebt habe) haben Arbeitnehmer ein Recht auf Home Office. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass Anwesenheit im Büro sachlich erforderlich ist. Das erspart den Niederländern Millionen Stunden im Stau, reduziert den Stress und führt zu glücklicheren Familien. Der niederländischen Wirtschaft geht es prächtig.

Und bei uns?

Vor echter Freiheit haben wir Deutschen Angst. Lieber finden wir tausend Einwände und Zweifel, um weiter in unserem Käfig sitzen bleiben zu können.

„Verhindern“ heißt das oberste Gebot! Und zwar auch bei vielen die sich angeblich den Liberalismus auf die Fahne geschrieben haben.

Wer mit Ralf Dahrendorf die tatsächlichen Lebenschancen von Menschen vergrößern will, stößt auf massiven Widerstand. Wer den Anspruch erhebt, die wirklich nutzbare Selbstbestimmung von Menschen zu vergrößern, wird gefürchtet:

Denn das bedeutet ja, dass sich etwas ändern wird. Das würde Privilegien gefährden. 68 Prozent der deutschen Arbeitnehmer können und möchten im Home Office arbeiten. Doch nur zwölf Prozent dürfen. Denn wie sie arbeiten und wo: Das dürfen sie nicht selbst bestimmen. Sie werden fremdbestimmt. Von ihrem Arbeitgeber – ob das der Job erfordert oder nicht.

Die Kosten für Rente und Pflege werden explodieren, weil jetzt die Babyboomer in Rente gehen. Wir könnten diese Aufgabe bewältigen ohne irgend jemanden zu überfordern. Wenn wir alle Einkünfte gleich und niedrig besteuern. Aber dass würde bedeuten, die Privilegien von Erben anzugreifen. Sobald es um das eigene Geld geht, sind viele Liberale auf einmal Kollektivisten. Dann wird aus „ich und meine Verantwortung“ ruckzuck: „Unser“ Geld als Familie. Als ob jemand ein Millionenerbe ablehnen würde, wenn er darauf 20% Steuern zahlen müsste.

„Leistung muss sich lohnen“ – Solange Du kein Einwanderer bist. Oder eine Frau. Jeden Tag erlebe ich wie hochbegabte, fähige Menschen bei der Jobsuche diskriminiert werden – nicht aufgrund objektiver Gründe, sondern weil sie nicht in die „DIN Norm“ passen. Auch innerhalb der Partei welche sich die Würde des Einzelnen auf die Fahne schreibt: Die FDP predigt seit 20 Jahren „der Markt regelt das“. Wer über eine Frauenquote nachdenkt, ist des Teufels. Der Frauenanteil bei den Freien Demokraten ist im gleichen Zeitraum von 25 auf 23 Prozent gesunken. Aber Ideologie ist wichtiger als Fakten.

Warum eigentlich?

Ich bin damit nicht zufrieden. Ich bin ein Liberaler. Ich will die wirklich nutzbare Freiheit von Menschen vergrößern. Nicht in 20 Jahren, wenn es für die meisten von uns zu spät ist.

Sondern heute.

Die Freiheit nehm‘ ich mir. Und Du?

Die Zukunft Europa’s steht auf dem Spiel. Jetzt reformieren!

Ich stimme zu! Zeit für ein Europa der Bürger.

„Europa steht am Scheideweg und befindet sich in einer Existenzkrise. Nicht nur außerhalb der EU, sondern auch intern. Intern sind wir von Populisten und Nationalisten bedroht. Außerhalb der EU gibt es Trump, der davon überzeugt ist, dass Europa nach und nach zerfallen wird. Es gibt Putin, der die EU spalten möchte, und gleichzeitig gibt es die Bedrohung von außen durch den politischen radikalen Islam.

Die Mitgliedstaaten haben sich immer gegen eine tiefgreifende Reform der EU gesträubt. Sehen wir jedoch den Tatsachen ins Auge: Wir stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Jetzt ist der richtige Moment für eine Reform der EU, um eine echte Union zu schaffen, und nicht nur ein loses Bündnis aus Nationalstaaten, das noch immer auf dem Einstimmigkeitsprinzip beruht, und stets zu wenig und zu spät handelt.

Ein Kontinent wie Europa lässt sich nicht regieren, wenn noch immer die Zustimmung aller 28 Mitgliedstaaten nötig ist. Das ist der erste Punkt. Der zweite ist eine kleinere, weniger bürokratische, aber echte Europäische Regierung, keine Kommission mit 28 Kommissaren, sondern eine kleine Kommission. Und wir brauchen eine europäische Verteidigungsunion, da es Bedrohungen von außen gibt, in unmittelbarer Nähe, in der Ukraine, in Syrien. Wir brauchen auch einen Europäischen Grenzschutz und Küstenwachdienst, um die Migrationsströme effizient bewältigen zu können.

Ich glaube, dass es keine andere Lösung für Europa gibt, als diese tiefgreifenden Reformen umzusetzen, die wir vorschlagen. Sonst wird unser Zerfall weiter voranschreiten. Wir hatten bereits den Brexit. Andere Länder könnten folgen. Wir bestehen nicht auf diesen institutionellen Reformen in der Union, weil wir Anhänger institutioneller Reformen sind. Wir bestehen darauf, weil wir sicher sind, dass wir damit auf europäischer Ebene besser für die Herausforderung gewappnet sind, denen wir heute gegenüberstehen.“

Ich stimme zu. Wir brauchen eine demokratische Reform der EU. Wir brauchen ein Europa der Bürger.

Zur Zukunft der EU


Unser Ziel als Liberale ist der Föderale Europäische Bundesstaat – das bedeutet aber nicht, dass sich die EU um alles und jedes kümmern muss.

Sondern im Gegenteil: Verantwortung wird dort angesiedelt, wo sie die größte Wirkung erzielt – aber dann auch mit der Macht ausgestattet Dinge selbst entscheiden zu können.

Diese Ziel teilen wir mit Millionen Europäern und einer wachsenden Zahl progressiver Politiker. Auf dem ganzen Kontinent gehen Bürger für Europa auf die Strasse. Sei es beim March for Europe, bei Pulse of Europe oder anderen Demonstrationen.

Alexander van der Bellen gewann die Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten mit einem klaren Bekenntnis zum Europäischen Bundesstaat. Die LibDems in Großbritannien sind zur Partei der proeuropäischen Opposition geworden und haben 26.000 neue Mitglieder gewonnen.  D66 in den Niederlanden erwartet das beste Wahlergebnis seit den 90er Jahren: Mit der Forderung nach einer Bundesrepublik Europa. Emmanuel Macron hat die besten Aussichten der nächste französische Präsident zu werden – mit einem Programm das gezielt auf ein „Ja zu Europa“ setzt.

Es sind nicht nur die Ewiggestrigen die unzufrieden sind. Die Jungen, die gut Ausgebildeten und jene die noch den Krieg erlebt haben, sind extrem frustriert vom ewigen „verschieben und vertagen“ der nationalen Regierungschefs im European Council. Sie wollen eine gemeinsame Zukunft für Europa!

Sogar Jean-Claude Juncker hat erkannt: Entweder Europa schreitet voran oder Europa wird scheitern. Die EU Kommission stellt den Regierungschefs der Nationalstaaten in einem White Paper 5 verschiedene Szenarien für die Zukunft der EU vor. Szenario 4 und 5 zeigen Wege aus der Krise.

Fragt man Bürger in ganz Europa nach konkreten Themen, so ist die überwältigende Mehrheit dafür, diese Probleme auf europäischer Ebene zu behandeln.

Für die EU sehe ich u.a. diese Felder: Außenpolitik, Verteidigung, Grenzschutz, Bekämpfung von Terrorismus und organisiertem Verbrechen, Handelspolitik, digtale Politik (inklusive vernetzten Fahrzeugen!) und natürlich die „4 Freiheiten“.

So viel Macht muss demokratisch legitimiert sein: Darum sollten wir einen echten EU Premierminister haben, der vom Europäischen Parlament vorgeschlagen, gewählt und entlassen wird.

Gesetze auf EU Ebene sollten vom Europäischen Parlament vorgeschlagen, diskutiert und in Kraft gesetzt werden.

Und zu guter Letzt: JA, zu einer wirklich funktionierenden EU gehört auch die Möglichkeit Steuern auf EU Ebene zu erheben.

Das bedeutet für die Bürger nicht mehr, sondern WENIGER Kosten – wenn z.B. 28 ineffektive und teure nationale Armeen durch eine einzige, schlagkräftige europäische Armee ersetzt werden.

Selbst wenn wir die Militärausgaben auf 1% des Europäischen BIP senken – also weniger ausgeben als jetzt – wären das 170 Milliarden EUR pro Jahr. Die EU würde damit die drittstärkste Armee der Welt besitzen.

Das „White Paper“ der EU Kommission zur Zukunft der EU findest Du hier.

Die Freien Demokraten fordern in ihrem Grundsatzprogramm den föderalen Europäischen Bundesstaat. Jetzt ist die Zeit dieses Ziel konkret in Angriff zu nehmen. Werde Teil der liberalen europäischen Bewegung.